Das Ende des Sozialen? Veränderungsdynamik - soziale Empathie - Solidarität

Preis: 330,00 € inkl. 10% USt
(exkl. Nächtigung und Verpflegung)

Zeitraum: 28.11.2018 - 29.11.2018

Uhrzeit: 09.30 - 17.00

Anmeldeschluss: 07.11.2018

Arbeitseinheiten: 16,0

ECTS Punkte: 1,0

Veranstaltungsort: Seminarhotel Alpenblick, Kirchschlag bei Linz

Zur Onlineanmeldung Zurück

Bitte füllen Sie alle Pflichtfelder aus (*)

Persönliche Daten
Arbeitgeber zahlt Kursgebühr
  1. Bitte geben Sie hier die Rechnungsanschrift an.

Anmeldung abschließen

Inhalt

Ein Seminar mit Mag. Marcus Hillinger.

Wir erleben zurzeit europaweit die Erosion der sozialdemokratischen Parteien mit den Folgen, dass (1) die sozialen Strukturen und Balancen des Sozialstaates beeinträchtigt oder gar zerstört werden könnten, (2) Sozialbudgets heruntergefahren und missliebige Projekte ausgehungert werden und (3) die Fähigkeit, den solidarischen Ausgleich in unseren Gesellschaften zu organisieren, eher den liberal-bürgerlichen Parteien (inklusive ihrer zwangsläufigen Mesalliance mit Parteien des rechten Randes) zugetraut wird als den Sozialdemokraten.

Wie kommt es zu diesem Paradigmenwechsel? Wie weit reicht die Eigenverantwortlichkeit der Sozialdemokratie? Was bedeutet dieser Wandel für die Zukunft des Sozialstaats und für die Idee der sozialen Marktwirtschaft, und nicht zuletzt: welche Auswirkungen haben derartige politische Richtungsentscheidungen auf das Selbstbild und die Handlungsspielräume der sozialen Akteure in der Gesellschaft.

Wir setzen uns im Seminar mit den aktuellen (sozial-) philosophischen Thesen zum Thema auseinander, werden aber auch interdisziplinär nach stringenten Problemfeldern und Lösungsansätzen Ausschau halten. Das theoretische und praktische Wissen der Teilnehmenden ist integraler Bestandteil des Seminars.

Methodisch arbeiten wir im moderierten Dialog, der mit Impulsvorträgen und entlang der von den Teilnehmenden eingebrachten Themen strukturiert wird.

Das Setting umfasst 2 Seminartage im Plenum und bei Bedarf thematische Arbeitsgruppen.

Für InteressentInnen zur Inspiration: 

„ANYTHING GOES“ oder: Wie man das Schwächere stärkt
Was haben der philosophische Popstar Paul Feyerabend („Wider den Methodenzwang“) und der gefeierte Ethnologe Claude Lévi-Strauss („Das wilde Denken“) gemeinsam? Sie teilen das Misstrauen gegen die institutionalisierten Wissenschaftsdiskurse und deren Ausschließungsverfahren.
Lévi-Strauss zeigt, dass das 'wilde Denken' schriftloser Kulturen keineswegs eine primitive Vorstufe unseres modernen rationalen Denkens ist, sondern ein anderer Denktypus auf gleicher Augenhöhe und vergleichbarem intellektuellen Niveau. Feyerabend entwickelt in seinem Bestseller 'Wider den Methodenzwang' das Prinzip der Kontrainduktion, das jeder noch so gut bestätigten These ihr Gegenteil entgegen hält, um eine faire Balance im Meinungsstreit aufrecht zu erhalten.
Wir ergreifen Partei für das 'wilde Denken' und werfen einen Blick auf seine kreativen Potentiale, indem wir das Prinzip der Kontrainduktion anwenden, um an ein Denken und Wahrnehmen heranzukommen, das von den herrschenden Wissensdiskursen weitestgehend ausgeschlossen wird.


DU MUSST DEIN LEBEN ÄNDERN! Plädoyer für eine plurale Ethik
„Es lässt sich nicht leugnen: Die einzige Tatsache von universeller ethischer Bedeutung ist die wachsende Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann.“ Diese Worte aus dem Schlusskapitel von Peter Sloterdijks Buch über die Selbstbildungskräfte des Menschen ist Programm: In einer Zeit der ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und sozialen Krisenerfahrung globalen Ausmaßes ist die Einsicht, dass es so nicht weitergehen kann, die letzte universell verbindliche Aussage an alle. Gleichzeitig wird aber betont, dass es die individuellen Selbstbildungskräfte des Menschen (Anthropotechniken) sind, die ihn selber und seinen Gegenstand ebenso formen wie sie selber von ihm geformt werden: die Arbeit wirkt auf den Arbeiter, die Kommunikation auf den Kommunizierenden... zurück.
Wir setzen uns mit der Bedeutung und dem Potential des 'übenden' (asketischen) Menschen und den Wechselwirkungen mit seinem Umfeld auseinander. Dabei diskutieren wir Möglichkeiten einer 'pluralen Ethik', die die unterschiedlichen Kulturen, Sichtweisen und Haltungen berücksichtigt und würdigt, als Pendent zu universalistischen Ethikkonzepten, die nach gemeinsamen Nennern für alle suchen. Wir lösen uns aber auch vom Lobbyismus des einseitigen Eintretens für partikulare Gruppeninteressen zu Lasten anderer (Individuen oder Gruppen). Ziel ist es, neue konsensuale Konzepte anzureißen, die von einer 'Sorge für das Ganze' getragen sind und die das Gemeinwohl ins Zentrum rücken.

BIOPOLITIK UND SELBSTWIRKSAMKEIT
Seit den Forschungen des französischen Philosophen Michel Foucault zur Biopolitik der Macht wissen wir, dass moderne Herrschaftsstrukturen nicht über Repressionsmechanismen (wie in Diktaturen) verlaufen, sondern über Verwaltungs- und Lenkungsinstrumente, die sich auf das Leben selber richten: der ärztliche Blick, Geburtenkontrolle, Ernährungsratgeber, Saatgutkonzerne, Zinssatzrichtlinien etc. Die Interessen bestimmter Gruppen (Konzerne, globale Player, kriminelle Netzwerke) und mächtiger Einzelpersonen bleiben weitgehend im Verborgenen. Wir analysieren die Bedingungen, Voraussetzungen und Legitimität jener Institutionen, die normative Ansprüche gegenüber den Individuen geltend machen. Wir diskutieren die Wirkungen der wechselseitigen Einflussnahme zwischen Individuum und Institution mit dem doppelten Ziel, (1) das Resilienzpotential des Einzelnen zu stärken und (2) im kritischen Dialog mit den Institutionen deren Veränderungsoptionen zu visionieren.

Zielgruppe

Alle Interessierten